Patrik Rudolf Brunner
Patrik Rudolf Brunner
Freisinn heisst, für Werte einzustehen

Fortschritte beim Richtplan Hochschulgebiet

Veröffentlicht am 27.03.2017 von Patrik Rudolf Brunner
Fortschritte beim Richtplan Hochschulgebiet
Die Planung des Hochschulgebietes im Kreis 7 und 8 und teilweise auch in meinem Kreis (6) wird schon seit längerem vorangetrieben, da die Infrastruktur die Kapazitätsgrenze erreicht hat und moderne Anforderungen nicht mehr erfüllt. Der kantonale Richtplan Hochschulgebiet wurde im Kantonsrat nun endlich behandelt. Dabei geht es nicht darum Uni, ETH und Universitätsspital ein bisschen „zu büscheln“, sondern darum, sie in der Stadt zu behalten und ihnen Raum für Wachstum zu geben.

Synergien nutzen
Bildung ist eines meiner Schwerpunktthemen und deshalb war ich gemeinsam mit Michael Baumer, Gemeinderat und Mitglied des Vorstandes Quartierverein Unterstrass, an beiden Verhandlungen als Zuhörer dabei. Ich habe die Debatten und Verhandlungen aufmerksam verfolgt und die Meinungen der Linken teilweise als sehr befremdend erlebt. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass durch das Dreieck Uni, ETH und Universitätsspital extrem viel Potential für Innovation und Know-how vorhanden ist. Weltweit gibt es so etwas vielleicht noch in den USA (Universität Cambridge mit MIT und Harvard). Ich sehe diesen Masterplan als etwas Grossartiges und Fortschrittliches. Uni, ETH und Universitätsspital bilden einen enormen Asset, den viele Aussenstehende unterschätzen. Die Meinung, ETH und Uni sollen doch ausserhalb der Stadt oder am Stadtrand weiter wachsen, ist für mich nicht nachvollziehbar. Die ETH (auf dem Hönggerberg) und die Universität (auf dem Irchel) verfügen ausserhalb des Zentrums bereits über Infrastruktur, aber es muss auch Platz im Zentrum geben, wo sie zusammenarbeiten können, um Synergien zu nutzen. Dasselbe gilt für das Universitätsspital. Wie wichtig dieses Spital für den Kanton, sogar für die ganze Schweiz ist, wird einem bei schweren Unfällen bewusst. Schwerverletzte werden nicht in ein Regionalspital in der Nähe geflogen, sondern mit dem Helikopter über die Dächer von Zürich direkt ins Universitätsspital.

Es braucht Auflagen und Gemeinsinn
Für die angrenzende Bevölkerung bietet das Quartier rundum das Hochschulgebiet momentan nicht viel. Umso mehr begrüsse ich es, dass der Masterplan Gewerberäume, Restaurants und Bars vorsieht, um das Quartier auch ausserhalb der Vorlesungszeiten zu beleben. Zudem sind Sporträume und -anlagen für Kantonsschulen vorgesehen, wodurch die Schulen selber Kosten sparen. Wo die Stadt Zürich gefordert sein wird, ist beim Verkehrsplan. Hier muss unbedingt etwas geschehen. Die Menschenmassen, die sich da bewegen, sind für Verkehr und Quartier belastend. Es braucht innovative Ideen, aber da habe ich grosses Vertrauen in unseren FDP Stadtrat Leutenegger. Er hat bereits in verschiedenen Zeitungsartikeln gute Vorschläge für Lösungen mit Rolltreppen oder Aufzügen direkt ab dem Bahnhof Stadelhofen gemacht. Das sind die Visionen, die unser Zürich braucht, es darf keine Denkverbote geben.
Ich habe Verständnis dafür, dass einige aus der Bevölkerung Angst davor haben, dass ihnen mit einem höheren Gebäude der ETH die Sicht verbaut wird. Das tut mir leid. Aber trotzdem kann ich keine Rücksicht auf eine Handvoll Privatbesitzer nehmen, die keinen Blick auf den See mehr haben. Einverstanden, für die einzelne Person bedeutet das einen Wertverlust und den sollte man mit einer einmaligen Zahlung entschädigen. Es kann aber nicht sein, wegen individuellen Nachteilen die Erweiterung und Modernisierung der ETH oder Uni zu verhindern. Hier braucht es mehr Gemeinsinn. Für die ganze Schweiz. Schlussendlich geht es um die gleiche Diskussion wie beim Fluglärm, wer damit nicht klar kommt, soll nicht in der Nähe des Flughafens wohnen. Wer sich von der ETH oder Uni genervt oder eingeschränkt fühlt, soll sich einen Umzug aufs Land oder in eine Villa am Zürichsee überlegen. Schliesslich stehen ETH und Uni schon seit über 100 Jahren da.
 
Mitgestaltung und Einfluss der FDP
Die FDP nimmt die Bedenken der Bevölkerung im Kreis 7 und 8 jedoch ernst und hat versucht, die Höhenbegrenzung miteinzubringen. Ich hätte dies dem Markt überlassen, denn auch eine Uni hat kein Interesse, einfach 20 Stockwerke mehr zu bauen. Alles kostet Geld und muss finanziert und genutzt werden können. Dank des Antrages der FDP wurde jetzt aber ein Kompromiss gefunden und die Höhenbegrenzung liegt nun bei 512m. Des Weiteren hat die FDP zwei Anträge für eine Auszonung zweier Liegenschaften eingereicht. Es gibt Gebäude, die der ETH gehören, die sie dank des zukünftig höheren Baus jedoch nicht mehr benötigt. Die Idee war, diese Liegenschaften aus der Bauzone auszuklammern und daraus Wohnraum zu machen. Bei einem der beiden Anträge ist dies auch gelungen. Zudem haben ETH und Uni von sich aus auf die Einwände der Bevölkerung reagiert. Sie wollten anfangs viel mehr bauen, haben aber aus Respekt gegenüber der Bevölkerung Perimeter abgebaut und sind jetzt bei 320‘000 m2 Die Linken wollten sogar noch mehr Flächenverzicht fordern – für mich nach dem Entgegenkommen der Institutionen völlig unverständlich.
So freue ich mich auf das neue Hochschulquartier und wünsche dem Rektor der Uni Zürich, Michael Hengartner, viel Glück beim Bauvorhaben.

Wer schützt uns vor dem Denkmalschutz?
Alte Richterswiler-Riegelhäuser, historisch bedeutsame Häuser im Niederdorf, der Hauptbahnhof oder die Fassade von Uni und ETH – dass gewisse alte Häuser geschützt werden müssen, weil sie besonders sind und ihren Teil zu einem schönen Stadtbild beitragen, das kann ich verstehen. Aber dass man jeden Bau, der gefühlte 10 Jahre alt ist, automatisch in den Denkmalschutz aufnimmt, macht keinen Sinn und verhindert, dass etwas Neues und Schönes gebaut werden kann. Ich glaube, dass der Denkmalschutz mittlerweile seine eignen Grenzen nicht mehr kennt. Der in den 40er und 50er Jahren erbaute Spitalbau der Architekten Haefeli Moser Steiger wurde beispielsweise unter Denkmalschutz gestellt. Und obwohl dieser vordere Teil des Universitätsspitals weder ästhetisch noch kultur-historisch wertvoll ist, darf daran nichts geändert werden. Diese Fläche könnte man viel besser nutzen und müsste dadurch erst noch weniger hoch bauen. Abgesehen davon müsste man sich vertiefter mit der Materie auseinandersetzen. In diesem Bau befindet sich der Trakt der ehemaligen Radiologie. Dieser ist verstrahlt und die Räume dürfen nur noch als Archiv und nicht mehr als Arbeitsräume genutzt werden. Das Material müsste fachgerecht abgebaut, richtig behandelt und entsorgt werden. Dank des Denkmalschutzes ist das jedoch nicht möglich. Das ist für mich ein Beispiel dafür, dass man das Thema Denkmalschutz auf nationaler Ebene diskutieren müsste. Wenn es nur um Macht und Verhinderung geht, kann ich das aufgrund unserer Parteiwerte Freiheit und Fortschritt nicht tolerieren.