Patrik Rudolf Brunner
Patrik Rudolf Brunner
Gemeinderat Kreis 6

Der Kreis 9 kocht

Veröffentlicht am 26.09.2016 von Patrik Rudolf Brunner

Auf dem Stadtgebiet Zürich gibt es rund 35 besetzte Liegenschaften und mehrheitlich verläuft das Ganze friedlich. Ander ist das beim seit 2013 besetzten Koch-Areal: Dort beschäftigen unhaltbare Zustände Anwohner, Parteien und Meiden und bringen das Fass zum Überlaufen.

Das ehemalige Industriegelände ist zum Lebensraum für Hausbesetzer und sicheren Ort für Fussball-Hooligans geworden, die sich vor der Polizei verstecken möchten. Dröhnende Musik, steigende Abfallberge und laute Partygänger sorgen im naheliegenden Quartier zunehmend für Frust und Verzweiflung. Jetzt werden nicht nur die Bässe lauter, sondern auch die Stimmen der betroffenen Anwohner und politischen Parteien. Der Grund dafür ist, dass sich die Stadt Zürich als Besitzerin des knapp 30‘000 m2 grossen Areals Zeit lässt, ihre Pläne für gemeinnützige Wohnungen, Gewerberäume und einen neuen Park in die Realität umzusetzen. Sehr zum Unmut aller Betroffenen soll mit dem Bau frühestens 2020 begonnen werden.

Ausmass nicht mehr tolerierbar
Obwohl ich Verständnis dafür habe, dass Jugendliche Raum brauchen, um sich auszutoben und es gerade in einer Stadt mit vielen Regeln auch einmal etwas Chaos braucht, entscheidet das Ausmass über die Tolerierbarkeit. Als temporäre Lösung hin und wieder einmal eine Party – okay. Da auf dem Koch-Areal jedoch gar keine Regeln gelten, leidet der Gemeinsinn. Die Regellosigkeit geht noch weiter. Berichten zufolge gibt es auf dem Areal diverse illegale Anbauten und diese sind ein Sicherheitsrisiko. Man stelle sich einmal vor, wenn da etwas runterkracht und jemand zu Schaden kommt, dann ist die Stadt dafür haftbar. Zudem wird eine Indoor-Hanfanlage toleriert, obwohl in anderen Gebieten am Stadtrand beim kleinsten Verdacht Razzien durchgeführt werden. Entweder müsste man Hanf legalisieren – ich selber bin nicht dafür – oder es gelten die gleichen Regeln für alle. In diesem Gebiet wurde viel Geld investiert, um Wohnraum zu bauen und das Quartier aufzuwerten. Umso bedenklicher ist es, dass auf dem Areal ohne Rücksicht auf die Bevölkerung gefeiert wird, wie auch in der Fraktionserklärung der FDP deutlich wird. Selbst wenn umliegende Gärten als Toiletten missbraucht werden und diverse Lärmklagen eingehen, darf die Polizei nicht ausrücken, weil der zuständige Stadtrat Richard Wolff das offenbar nicht wünscht. So eine Situation ist für mich absolut unverständlich und fragwürdig.
 
Endlich Gehör verschaffen
Der Stadtrat hat das Areal im Notkredit gekauft und so am Parlament vorbeigeschleust. Obwohl es schon seit längerem heisst, dass dort Wohnungen gebaut werden sollen, wurden bisher weder grössere Studien noch Abklärungen durchgeführt. Für mich ist das Klientelpolitik. Dasselbe gilt für den Barbetrieb mit Alkoholausschank, obwohl keine Bewilligung vorliegt. Wenn jedes Wochenende eine Party stattfindet, kommt dies einem wirtschaftlichen Betrieb gleich. Die Veranstalter kassieren und bezahlen keine Mehrwertsteuer. Jedem Wirt hingegen, der draussen ein paar Tische und Stühle oder eine Wärmelampe aufstellen möchte, wird das Leben schwer gemacht. Es gibt diverse Meldungen der Stadt, dass Aussenbestuhlung nicht mehr erlaubt ist, weil der Platz bereits zum Gehweg gehöre. Jeder braucht für fast alles eine Bewilligung – nur das Koch-Areal nicht. Mir geht es hier um die Rechtsgleichheit, die in diesem Fall überhaupt nicht gewährleistet ist. Ich wiederhole mich gerne nochmals, Gemeinsinn und Kultur ja, aber nicht auf Kosten anderer. Jetzt muss endlich etwas passieren. Es ist doch nicht möglich, einfach nur zuzuschauen, wie das Koch-Areal zu einem gesetzlosen Raum wird.