Gradlinigkeit zeigt sich in der Konstanz
12. März 2026Allen Widrigkeiten zum Trotz konnte die FDP Stadt Zürich die Zahlen der Wahlbeteiligung überproportional steigern. Das Narrativ «Zürich befreien» bewegte – nicht nur die Medien, sondern auch die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger.
Während der letzten zwei Jahre haben sich die FDP Stadt Zürich und ihre Kreise intensiv auf die Wahlen vorbereitet. Jetzt sind diese vorbei und erneut berichten die Medien, die Bürgerlichen seien verdrängt worden. Das passt zum Ton, der im letzten halben Jahr in der Tagespresse dominierte. Die FDP wurde regelrecht niedergeschrieben. Aber: Wir sind die zweitstärkste Kraft im Parlament der Stadt Zürich. Trotz der rot-grünen Mehrheit ist es der FDP gelungen, den Wähleranteil um 1 % auf 18,46 % zu steigern und gegenüber den Wahlen 2022 um zwei Sitze zuzulegen. Der aktuelle Wähleranteil der FDP ist der höchste seit 1994.
Die Zahl der FDP-Wählenden ist um 25 % gewachsen (von 17'484 auf 21'940) und somit stärker gestiegen als die aktuelle Wahlbeteiligung. Dieses Resultat zeigt deutlich, dass die Kampagne der FDP mit «Zürich befreien» gewirkt hat und Wähler überzeugen konnte. Es besteht offenbar ein breites Bedürfnis nach mehr sachlicher Ausgewogenheit und weniger ideologischer Polarisierung.
Allen voran
Ich weise die Behauptung, die FDP hätte strukturelle Probleme, entschieden zurück. 2010 hatten wir noch 18 Sitze im Parlament, die Talfahrt konnten wir 2014 stoppen. Damals war Michael Baumer, eben wiedergewählter Stadtrat, Präsident der FDP Stadt Zürich. Seither befindet sich die Partei in einer kontinuierlichen Wachstumsphase. 2016 durfte ich das Amt des Wahlkampfleiters übernehmen und es erfüllt mich mit Stolz, dass sich der Erfolg des systematisch aufgebauten Campaignings auch in Zahlen zeigt. In sieben von neun Wahlkreisen ist die FDP Stadt Zürich zweitstärkste Kraft, sogar in linken Hochburgen wurden uns die Tore geöffnet.
Zudem sind mit Alana Gerdes, Valentina Fazlija und Ariane Buchli drei junge Frauen für die FDP in den Gemeinderat eingezogen. Ein weiterer Fakt, der gegen strukturelle Probleme und eine angeblich alternde FDP-Wählerschaft spricht. Mit Yasmine Bourgeois haben wir erneut die mit Abstand bestgewählte Gemeinderätin, und zwar mit 6285 Stimmen. Zudem unterstreicht das insgesamt hervorragende Ergebnis der Parlamentswahlen die breite Verankerung der FDP in den verschiedenen Quartieren der Stadt.
Alle gegen einen
Genauso wie der Erfolg in den Legislativwahlen ist aber auch der Verlust des zweiten Stadtratssitzes Realität. Das Bild ähnelt der Situation auf einem Pausenplatz: alle gegen einen. Mutig stellte sich Përparim Avdili der Herausforderung, obwohl er für die einen der falsche Schweizer und für andere der falsche Secondo war. Es ist hart, bei den Exekutivwahlen das absolute Mehr erreicht zu haben, aber dennoch als Überzähliger auszuscheiden. Wenn wir auf die letzten 40 Jahre zurückschauen, hatten wir diese Situation schon viermal. Die Strategie der Grünen, mit Balthasar Glättli einen bekannten Nationalrat ins Rennen zu schicken, ist aufgegangen. Als wir uns 2010 mit Filippo Leutenegger dieser Idee bedienten, konnten wir ebenfalls einen Sitzgewinn verzeichnen. Majorzwahlen sind Persönlichkeitswahlen und natürlich haben Personen mit einem gewissen Bekanntheitsgrad einen Vorteil. Es ist wichtig, diesen Sitzverlust nach der Katerstimmung richtig einzuordnen. Und ja, es ist bedauerlich.
(Fast) alles beim Alten
Die FDP Stadt Zürich hatte mehrere ambitionierte Wahlziele: im Parlament zulegen und die Mehrheit bekommen, die prozentuale Wahlbeteiligung erhöhen, zwei Stadtratssitze verteidigen und das Stadtratspräsidium erobern. Im Parlament ist die Kampagne «Zürich befreien» aufgegangen. Für Schweizer Verhältnisse aggressiv hat die Kampagne Anklang gefunden. Spannend in der Auswertung der Resultate vom 8. März 2026 ist, dass die FDP, die SVP und die Mitte gemeinsam wachsen können, weil sie sich in der Stadt gegenseitig keine Stimmen mehr wegnehmen. Der linke Block ist in sich stabil geblieben, aber die SP ist nicht gewachsen, sondern hat die Niederlage der Grünen kompensiert. Die SP, die Grünen und die AL sind thematisch fast deckungsgleich. (Smartmap vom 8. März 2026) Das kritisieren wir schon seit langem und nun zeigen auch die Zahlen, dass es inhaltlich keine Differenz gibt. So bleibt im linken Lager fast alles beim Alten.
Es ist nicht recht(s)
Die Grünen verlieren im Parlament und gewinnen im Stadtrat. Sie sind den Stimmen nach definitiv überrepräsentiert und die politische Vielfalt der Stadt ist im Stadtrat derzeit nicht abgebildet. Obwohl die Linken im Parlament mit 63 Stimmen gegenüber den 62 Stimmen der Bürgerlichen die Mehrheit besitzen, verdeutlichen die Resultate 2026, dass zahlreiche Zürcherinnen und Zürcher die sachliche Politik der FDP unterstützen. Gefordert sind Effizienz und konkrete Lösungen in der Wohn-, Sicherheits-, Verkehrs- und Verwaltungspolitik. Das Resultat zeigt zudem, dass sich viele Stimmbürgerinnen und Stimmbürger eine Politik wünschen, die nicht gleich die Seite wechselt, wenn es unangenehm wird. Deshalb werden wir unseren Weg weiterhin gradlinig gehen und die vorhandenen Mittel gezielt und verantwortungsbewusst einsetzen.