Früh unterstützen statt später reparieren

Wenn Kinder in der Schule Schwierigkeiten haben, liegt das nicht immer an fehlender Motivation oder mangelnden Fähigkeiten. Oft fehlt den Eltern schlicht das Wissen über unser Schulsystem. Elternabende, Schulbriefe, Formulare oder Gespräche mit Lehrpersonen können gerade für Familien mit Migrationshintergrund oder schwierigen Lebenssituationen eine grosse Herausforderung darstellen. Genau hier setzt das Programm «Copilot Eltern & Schule» der Caritas Zürich an.

In der Sozialkommission haben wir die Weiterführung des Programms für die Jahre 2027 bis 2030 beraten (Geschäft 2026/94). Der Stadtrat beantragt dafür einen jährlichen Beitrag von 168 000 Franken. Die FDP wird dieser Vorlage zustimmen – und ich ebenfalls.

Pragmatischer Ansatz
Das Programm verfolgt einen pragmatischen Ansatz. Freiwillige Mentorinnen und Mentoren begleiten Familien individuell und unterstützen sie bei Fragen rund um Kindergarten und Schule. Ergänzt wird dieses Angebot durch sogenannte Infocafés in den Quartieren. Dort erhalten Eltern unkompliziert Informationen, können sich mit anderen Familien austauschen und werden bei Bedarf an die richtigen Fachstellen vermittelt. Das Angebot stärkt die Eltern in ihrer Rolle und hilft ihnen, ihre Kinder auf ihrem Bildungsweg selbstständig zu begleiten.

Bedürfnisorientierte Anpassung
Besonders überzeugt hat mich, dass das Angebot laufend weiterentwickelt wird. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass die Infocafés einem echten Bedürfnis entsprechen. Deshalb soll dieses bisherige Pilotprojekt in den Regelbetrieb überführt und um einen vierten Standort erweitert werden. Gleichzeitig wird das Mentoring leicht reduziert. Die vorhandenen Mittel werden also nicht einfach ausgebaut, sondern dort eingesetzt, wo sie nachweislich die grösste Wirkung erzielen.

Leistungsorientierte Finanzierung
Als Liberaler bin ich bei neuen oder höheren Subventionen grundsätzlich zurückhaltend. Umso wichtiger ist es, genau hinzuschauen. In diesem Fall sprechen die Fakten für die Vorlage: Die Nachfrage ist ausgewiesen, Doppelspurigkeit mit anderen Angeboten wurden nicht festgestellt und die Finanzierung erfolgt leistungsorientiert. Zudem engagiert sich die Caritas selbst finanziell und trägt einen erheblichen Teil des Gesamtaufwands. Öffentliche Mittel werden damit gezielt eingesetzt und nicht einfach nach dem Giesskannenprinzip verteilt.

Für mich ist deshalb klar: Wer Eltern befähigt, ihre Verantwortung im Bildungsalltag ihrer Kinder wahrzunehmen, investiert sinnvoll in die Zukunft. Frühzeitige Unterstützung verhindert häufig, dass später wesentlich aufwendigere und teurere Massnahmen notwendig werden.

Aus diesen Gründen wird die FDP-Gemeinderatsfraktion und ich der Weisung zustimmen. Das Programm setzt auf Hilfe zur Selbsthilfe, stärkt die Eigenverantwortung der Eltern und unterstützt Kinder dort, wo gute Bildungschancen beginnen – im Elternhaus.