Patrik Rudolf Brunner
Patrik Rudolf Brunner
Gemeinderat Kreis 6

Pinocchio braucht unsere Unterstützung

Veröffentlicht am 26.11.2025 von

Patrik R. Brunner

Das Leben ist voller Herausforderungen. Einige meistert man leicht – über andere gerät man ins Stolpern. Überforderung, Unsicherheit und Ängste können Kinder, Jugendliche und ihre Eltern sehr belasten. Der Verein Pinocchio wurde 1983 gegründet: Er begleitet Kinder in schwierigen familiären Verhältnissen, berät Eltern bei Überforderung im Familienalltag, bei Entwicklungsauffälligkeiten oder bei Sorgen um das Wohlbefinden des Kindes in Krisen- und Übergangssituationen wie bei einer Trennung der Eltern. Das psychologische Beratungsangebot von Pinocchio ist auf Kinder im Vorschul- und Schulalter spezialisiert und ist unabhängig und niederschwellig. Die Stadt Zürich unterstützt den Verein Pinocchio bereits seit 1987. Doch die steigende Nachfrage zeigt, dass dringend mehr Geld benötigt wird.

Weisung des Stadtrates
Deshalb beantragt der Stadtrat mit der Weisung des Stadtrates an den Gemeinderat 2025/336 eine Korrektur und damit einen leistungsabhängigen Beitrag von jährlich Fr. 640 300.– an den Verein Pinocchio für das Angebot Pinocchio Beratungsstelle für Eltern und Kinder für die Jahre 2026–2029. Bei der letzten Vertragsverhandlung vor vier Jahren war der Wert mit 3350 Sollstunden, die pauschal bezahlt werden, zu tief veranschlagt. In der Realität wurden 4097 Beratungsstunden geleistet, im Jahre 2024 sogar 4698, deshalb wird in der neuen Weisung des Stadtrats der Sollwert dem Ist-Wert angepasst. Angesichts der wertvollen Grundlagenarbeit des Vereins und der wachsenden Nachfrage habe ich zusammen mit Hannah Locher (SP) beantragt, noch mehr Geld zu sprechen.

Förderung des Gemeinsinns
Entgegen der Kritik, es könnte sich um ein Wahlgeschenk handeln, möchte ich hier betonen, dass die FDP sich immer für ein soziales Netz im eigenen Land ausgesprochen hat. Von kleinen Kindern und Jugendlichen kann man nicht Eigenverantwortung verlangen: Hier geht es um den Gemeinsinn. Und es macht absolut Sinn, die Schwächsten der Schwachen in der Gesellschaft zu unterstützen. Die Wartezeit für einen Termin bei einem privaten Psychologen beträgt aktuell bis zu 3 Monate. Pinocchio ist die einzige privat getragene Beratungsstelle in der Stadt Zürich und kann innerhalb von einer Woche, bei Notfällen sogar innerhalb von 24 bis 48 Stunden, einen Termin anbieten. Das kommt allen zugute und die privaten Psychologen arbeiten mit dem Verein zusammen, es gibt also keine Konkurrenzsituation. Gemäss Nachfrage bei der Geschäftsführung ist durchaus Potenzial für eine halbe oder sogar eine ganze zusätzliche Stelle vorhanden. Zudem musste der Verein umziehen und hat in einer Genossenschaft neue Büroräumlichkeiten gefunden. Diese sind grösser und praktischer, aber auch teurer. Deshalb habe ich mich auch für die Erlassung der Mietkosten ausgesprochen. Der neue jährlich gesprochene Betrag von insgesamt CHF 810 300.– setzt sich wie folgt zusammen: Korrektur der bezahlten Sollstunden aufgrund der vorgelegten Zahlen der vergangenen vier Jahre, Kosten für eine zusätzliche Arbeitsstelle, Mehrkosten für Mietzinsen aufgrund des Umzugs.

Im Zweifel für das Gute
Selbstverständlich ist mir bewusst, dass es sich beim Angebot von Pinocchio nicht um eine Staatsaufgabe handelt. Und die Frage, warum der Verein nicht selber Geld auftreibt, ist berechtigt. Insbesondere weil ich mich stark dafür engagiere, Eigenverantwortung zu übernehmen und selber ins Handeln zu kommen. Doch Pinocchio handelt bereits und ist bei der Triage von Notfällen stark. Umso wichtiger scheint es mir, dass sie sich darauf konzentrieren können. Der Vorstand arbeitet komplett ehrenamtlich und auch der Geschäftsleiter ist hauptberuflich als Psychotherapeut und nebenamtlich als Geschäftsführer tätig. Private Gelder aufzutreiben sei aufwendig und unsicher. Einige Stiftungen seien zurückhaltend, weil das Angebot aus ihrer Sicht zu einem Teil Aufgabengebiet der öffentlichen Hand sei. Ein zweites Kriterium sei, dass private Geldgeber aufgrund der Compliance konkrete Projekte unterstützen möchten. Das ist nachvollziehbar, weil sie sich aus rechtlicher Sicht an die Regeltreue halten müssen. Für Pinocchio macht dies jedoch keinen Sinn, weil sie nicht neue Projekte realisieren, sondern Basisarbeit leisten. Und die muss schnell verfügbar sein und nicht erst in ein paar Monaten.

Ich bin dankbar, dass die Zweifel im Rat beiseitegeschoben wurden und der Beschluss mehrheitlich Anklang fand. Zudem freut es mich, dass ich parteiübergreifend dazu beitragen konnte, den Gemeinsinn zu stärken, um mit Pinocchio den Jüngsten unserer Gesellschaft Gehör zu verschaffen.